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Nümbrecht - Malzhagen

Unwetter 20.07.2016 über Nümbrecht

20.07.2016 schweres Gewitter über Nümbrecht mit schwachen Downburst

Am 20. Juli 2016 zog am Abend ein Schwergewitter über das Homburger Land, oberbergischer Kreis in Nordrhein-Westfalen hinweg und traf auch den Luftkurort Nümbrecht. Dabei kam es zu schweren Sturmböen, kleinem Hagel und heftigem Starkregen. Vor dem Unwetter befand ich mich auf meinem Chasingpoint Distelkamp von wo ich erste Bilder aufnahm und ein Video erstellte. Hier zeigte sich in westlicher bis südwestlicher Richtung ein ausgeprägter Regenfuss der auf einen Downburst hindeutete. Nachdem ich einige Aufnahmen gemacht habe stand für mich die Sicherheit im Vordergrund und somit habe ich mich in Sicherheit gebracht was auch goldrichtig war. Zunächst passierte nicht viel. Es gab einzelne starke Böen, grosstropfigen Regen und ein paar Blitzentladungen. Dann setzte jedoch schlagartig heftiger Wind ein und es begann heftig zu regnen. Die Sicht betrug nahe 0 % und alles war weiss wie im Nebel. Die Bäume bogen sich enorm. Nach etwa 30 bis 40 Minuten war der Spuk vorbei. 

Ursache :


Am Tag des Unwetters fand sich sehr heisse Luft über der Region mit Temperaturen zwischen 30 und 32 Grad. Dabei strahlte es fast den ganzen Tag durch die Sonne ein. Zum Nachmittag nahm der Feuchtegehalt der Luft allmählich zu. Über Nordrhein-Westfalen bildete sich eine Linie. Diese Linie sorgte für zahlreiche schwere Gewitter und am südlichen Ende dieser Linie fand sich dann die Zelle die Nümbrecht traf.




Die Wetterkarte zeigt das die Region auf der Vorderseite eines Tiefs mit Kern bei den britischen Inseln sich befand und dadurch sehr warme aber auch zunehmend feuchte Luft zur Region gelangte. Dabei befand sich westlich ein Frontensystem in dessen Vorfeld sich konvergente Windfelder bildeten die das Aufsteigen der Luftpakete begünstigten.




Das Satellitenbild zeigte am Morgen das die Region von einem Bodenhoch und einem Höhenkeil beeinflusst wurde. Dabei herrschte zunächst grossflächiges Absinken was die wolkenfrei Zone erklärt. Über Frankreich und der iberischen Halbinsel entstanden im Bereich einer Tiefdruckrinne, in der ein Frontensystem eingebettet war, dickere Quellwolken und später die ersten Schauer und Gewitter. Im weiteren Verlauf entwickelten sich dann im Vorfeld der Fronten weitere teils schwere Gewitter die aufgrund eines hohen Gehaltes an niederschlagbaren Wassers hohe Niederschlagsmengen produzierten. Hohe Energiewerte sorgten für kräftige Aufwinde und vorhandene vertikale Windscherung brachte manche Systeme dann zum rotieren. Am Abend fand sich dann eine recht hohe Feuchte über der Region was sich bei den Taupunkten von maximal 21 Grad zeigten.

Schadensanalyse :

Am Folgetag machte ich mich auf dem Weg die Schäden zu begutachten. Es zeigten sich überwiegend Vegetationsschäden. Das bedeutet entwurzelte Bäume, abgebrochene Baumkronen und abgebrochene teils sehr starke Äste. Die Schäden habe ich auf eine Karte makiert und diese ergaben dann eine Art Schadensschneise. Einen möglichen Tornado kann ich zwar nicht zu 100 % ausschliessen dennoch halte ich dieses Szenario eher für unwahrscheinlich. Meiner Meinung nach handelte es sich um ein Starkwindereigniss. Genannt wird dieses Downburst. Das ist eine Gewitterfallböe die durchaus Orkanstärke erreichen kann. Dadurch kommt es häufig zu grossen Schäden an Vegetation und Gebäuden.

Wie entsteht ein Downburst ?

Ein Downburst entsteht wenn kalte Luft z.B. durch Niederschlag wie ein Stein aus der Gewitterwolke zu Boden fällt und sich nach allen Seiten schlagartig ausbreitet. Der dadurch entstandene heftige Wind ist der Downburst.

Bilder :




Hier sehen wir einen typischen Gewitterhimmel mit einigen verschiedenen Wolkenarten die sich teilweise stark vertikal ausdehnen. Dabei entstehen teilweise mächtige Quellwolken. Diese nennt man Cumulus mediocris ( mittlere vertikale Ausdehnung ) oder Cumulus Congestus ( mächtige Ausbreitung ).




Hier sehen wir einen typischen Gewitteramboss. Dabei handelt es sich um den Vereisungsbereich der Wolke. Durch das Gleichgewichtsniveau steigt die Luft nicht weiter auf und breitet sich nach allen Seiten aus.




Hier sehen wir den Regenfuss der den Downburst makiert.




dunkle niederschlagsfreie Basis. Vermutlich ein Aufwindbereich. Eine Meso konnte ich jedoch nicht zweifelsfrei entdecken.




Blick nach Norden. Hier zeigt sich ein recht blitzintensiver Abschnitt des Gewitters. Hier habe ich den Verdacht das es sich um eine Superzellen gehandelt hat.




Hier die Schadenskarte des Ereignisses. Nachfolgend die Schadensbilder.




Hier zeigt sich ein abgebrochener starker Ast am Aussichtsturm in Nümbrecht. Der Besitzers des dortigen Kaffees hatte schon einen Teil weggeräumt dennoch konnte man die Gewalt des Windes nachvollziehen. Ein anfänglich vermuteter Blitzeinschlag durch Zeugen bestätigte sich nicht.




Hier sehen wir den Wurzelteller einer entwurzelten Buche.




Hier sehen wir einen deutlichen Schaden auf einer Streuobstwiese oberhalb der Ortschaft Malzhagen.







Interessant war auch das niedergedrückte Gras das durch den Wind herabgedrückt wurde und die gleiche Richtung aufwies wie die entwurzelten und abgebrochenen Bäume.




Hier hat zwischen den Ortschaften Malzhagen und Buschhof eine Tanne eine Stromleitung herabgerissen.




Hier sehen wir ein abgerissenes starkes Baumteil in der Nähe der L95 auf einer Pferdeweide.




Ein komplett abgebrochener Baum. Der eine Teil lag unten und der andere Teil hing in benachbarte Bäumen. Gegenüber fand sich ein weiterer abgebrochener Baum.

Video :

Das Video zeigt den bereich des Gewitters den ich auf dem Chasingpoint gemacht habe mit dem beschreibenen Regenfuß.





Malzhagenwetter 2017 by Udo Karow, Nümbrecht, Germany